Evangelische

Studentinnen- und

Studentengemeinde Trier

02.12.

Teil 1:

Worauf. Wartest. du?

 

Erst war es nur ganz leise zu hören. Nichts, was man mit einer guten Serie oder einer leckeren Pizza nicht hätte übertönen können. Das ging für ein paar Wochen, ja Monate, sogar ganz gut. Aber  irgendwann wurde das Klopfen immer lauter. Trotzdem hatte Julia sich gewehrt. Sie würde sie nicht hereinlassen. Sie musste draußen bleiben. Also buchte sich Julia einen online-Malkurs, ging sogar auf ein Video-Date. Sie dekorierte ihre Wohnung um, las viel. Rettete sich in fremde Welten und tragische Geschichten, bis sie das Klopfen nicht mehr hörte. Aber irgendwann musste es dann doch passiert sein. Sie kann sich nicht mehr richtig erinnern, wann sie so unaufmerksam war. Vielleicht zu Beginn des zweiten Lockdowns. Aber jetzt war es sowieso zu spät. Sie war da. Die Einsamkeit hatte sich in ihrer Wohnung breit gemacht. Jeden einzelnen Raum hatte sie besetzt. Sie stand am Herd, lungerte auf dem Sofa herum, trug Julias Klamotten.

Alles, was Julia anfasste, fasste die Einsamkeit auch an. Bei allem, worauf Julia sich freute, wollte die Einsamkeit mitmachen. Und machte es ihr damit kaputt.

Die Einsamkeit hatte es am liebsten, wenn Julia zuhause war. Das war sie viel, denn sie nahm den Lockdown ernst. Und sowieso fand ja nichts statt. Und wenn Julia doch das Haus verlassen wollte, jammerte die Einsamkeit. Julia stockte – und die Einsamkeit? Sie fragte: Worauf wartest du?

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